
Alle pixeligen Anzeichen deuten darauf hin, dass Quora in diesem Jahr einen Platz an der Spitze der Internethypes bekommen wird. Doch was ist Quora überhaupt? Will man es auf das Wesentliche herunter brechen, so ist Quora eine Wissenscommunity, die von Fragen und Antworten ihrer Nutzer lebt. Eigentlich eine altbekannte Idee. Yahoo Answers oder das mittlerweile nur noch am Tropf lebende Lycos iQ basieren auf derselben Idee: User stellt eine Frage, andere User bringen eine Antwort.
Bei Yahoo Answers sieht das leider größtenteils so aus, das man wenige Sekunden, nachdem man die Frage gestellt hat, 4 mal die gleiche Antwort und eventuell noch eine Beschimpfung bekommt. Die 4 Antworten sind dann zusammen kopierte Textstellen aus den erstbesten Google-Ergebnissen passend zur Frage. Das kann helfen ist zumeist aber eher weniger befriedigend.
Genau da scheint Quora auf den ersten Blick anders zu sein. Alles wirkt sehr viel aufgeräumter, schlichter und qualitativ hochwertiger als das, was man zum Beispiel auf besagten Plattformen zu bieten bekommt. Das ist auch eines der vielen Anliegen der beiden Köpfe dahinter: Adam D’Angelo und Charlie Cheever, beide gehörten zuvor zum Kreise der ersten Facebook-Macher. Eine stetig wachsende Datenbank an Wissen, soll Quora letztlich werden. Oder um das ausgerufene Ziel mit den Worten der Macher zu beschreiben: „People use Quora to document the world around them. Over time, the database of knowledge should grow and grow until almost everything that anyone wants to know is available in the system. When knowledge is put into Quora, it is there forever to be shared with anyone in the future who is interested.“ Der ewige Traum der Menschheit (und Entenbevölkerung), alles Wissen in einem schlauen Buch zu vereinen. Herein spaziert zu einem neuen Versuch!
Funktionalität:
Die Anmeldung (welche derzeit nur per Einladung funktioniert) verbindet den neuen Quora Account direkt mit dem persönlichen Facebook oder Twitter Profil. Das bringt den Vorteil mit sich, dass im neuen Quora Profil direkt und ganz automatisch, die eigenen Grundinteressen abgesteckt sind. Die Wissenscommunity basiert nämlich nicht darauf, dass man durch den riesigen Strom an Fragen irrt und hier und da etwas heraus pickt oder hinein wirft, sondern kann man von vornherein festlegen, welche Themen und Menschen man folgen möchte.
Ist man angemeldet und hat sich ein wenig umgeschaut, so fällt sofort die Aufgeräumtheit und Qualität der Inhalte auf. Die Macher vertrauen hierfür auf das erfolgreiche Wikipedia-Prinzip. Sprich, jeder darf alles editieren und es wird einfach gegenseitig auf einen gewissen Qualitätsstandard geachtet. Gute Antworten können nach oben gevotet werden und der Übersichtlichkeit wegen gibt es pro Frage nur eine Seite mit Antworten. Auch um die eigenen Fragen gut und richtig aufzubauen, muss man sich durch ein aufwändig erklärtes Tutorial klicken, bevor man die Möglichkeit bekommt, den eigenen Wissensdurst zu stillen.
Warum es funktionieren wird:
- Aufgeräumt und qualitativ hochwertiger Inhalt, bei dem es wohl noch viel eher darum geht, sich neues Wissen zusammen zu klicken, als eigene, konkrete Fragen beantwortet zu bekommen.
- Interessante User, bringen interessanten Inhalt. Der Popularität von Quora ist es zu verdanken, dass sich auch viele “Prominente” dort umher treiben. Da kann es schon mal vorkommen, dass Fragen ausführlichst beispielsweise von Köpfen millionenschwerer Internetunternehmen oder namhaften Designern beantwortet werden. Da ist das ganze doch gleich viel interessanter.
- Es macht tatsächlich Spaß den Wissensdurst häppchenweise und zielgenau zu stillen. So kann man sich wirklich wunderbar durch das ein oder andere Themengebiet klicken.
Warum es nicht funktionieren wird:
- Text, Text, Text … überall Text! Nimmt man sich nicht die Zeit, die eigenen Themengebiete gut abzustecken, so kann es vorkommen, dass man sich schnell am Wissenswasserfall verschluckt und shcnell die Lust daran verliert.
- Bleibt die Qualität auch bestehen, wenn Quora nicht mehr ganz so exklusiv ist und jeder Zugriff darauf bekommt? Bei Wikipedia funktioniert es, aber auch hier, wenn es jede Frage nur einmal geben soll, dann aber Diskussionen ausbrechen, weil die eine Frage zwar so aussieht wie die andere, aber doch irgendwie anders gemeint war und überhaupt. Bleibt abzuwarten, schön wäre es ja.
- Wird es sich wirklich durchsetzen können, das Leute ihr Suchverhalten so umstellen, dass Quora zu der Wissensdatenbank wird, die sie sein will? Warten hat immer weniger Platz. Der Erfolg vieler Aspekte der digitalen Welt entscheidet sich in Bruchteilen von Sekunden. Die potentielle Userschaft von Quora ist ebenfalls darauf konditioniert Fragen für gewöhnlich mit gezielten Suchanfragen sehr schnell lösen zu können. Warum dann mehrere Minuten oder gar Stunden (OMG!) auf eine Antwort warten? Klar, nicht jede Frage wird zufriedenstellend im Internet beantwortet, gerade wenn es sehr fachspezifisch wird. Aber wird Quora diese Hürde nehmen können um das nächste große Ding, was es verspricht, sein zu wollen, auch wirklich zu werden? Oder letztlich doch nur ein schläfriges Nischendasein pflegen, so wie das PM Wissensmagazin im Zeitschriftenregal?
Fragen über Fragen und es bleibt abzuwarten ob daraus auch wirklich Antworten über Antworten werden. Schön wäre es jedenfalls. Der Wert des Start-Ups wird immerhin schon auf gut 86 Millionen Dollar beziffert.
» quora.com


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